500-1: Kurz vorm großen Reformationsjubiläum

Liebe Leserinnen und Leser,

ob Silberhochzeit oder 500 Jahre Reformation: Jubiläen werfen immer die Frage auf, was das Gefeierte für die Gegenwart bedeutet. Im Fall der Reformation konzentriert sich das oft auf Martin Luther.

War er Begründer der Neuzeit, zumindest der religiösen Moderne? Denn auf die Reformation folgten konfessionelle und religiöse Vielfalt bis in die Gegenwart hinein. Oft steht Luther auch für die moderne Individualität des Glaubens.
Und „erfand“ er die deutsche Sprache überhaupt erst, als er die Bibel aus dem Lateinischen übersetzte? Manchmal wurde Luther sogar als „Reformator der Deutschen“ gefeiert, so etwa vor hundert Jahren, mitten im Ersten Weltkrieg.

Oder war er nur ein Mönch, dessen Weltbild nicht in die Neuzeit, sondern noch ganz ins Mittelalter gehört? Luther glaubte z. B. sehr real an den Teufel, oder daran, dass sich Brot und Wein im Abendmahl tatsächlich in Leib und Blut Christi verwandeln. Und war er nicht nur antijüdisch, sondern muss er sogar als Vorläufer des Antisemitismus gesehen werden, mit dessen schrecklichen Folgen in unserem Land?

Kurz vorm großen Reformationsjubiläum 2017 werden die Diskussionen lauter. Sie zeigen: Luther und die Reformation haben auch „500 Jahre danach“ noch eine Bedeutung für uns – auch wenn sie manchmal gar nicht so leicht zu bestimmen ist.

In Frankfurt wird die Reformation vielfach gefeiert, etwa an Pfingsten auf dem Römerberg oder dann am 31. Oktober mit einem zentralen Gottesdienst in der Paulskirche. Wir fragen uns: Was können
speziell wir hier in Maria-Magdalena zum großen Jubiläum beisteuern? Momentan denken wir an eine Vortragsreihe zu Luther, einen Kochabend unter dem Motto „Die Reformation schmecken“, eine Schnitzeljagd durch Sachsenhausen und Frankfurt auf den Spuren der Reformation (die ja viel mehr war als nur „Luther“), einen Gottesdienst am Reformationstag, nach einer Liturgie Luthers selbst …

Haben Sie weitere Ideen, möchten Sie etwas beitragen zum Jubiläum? Bringen Sie sich ein!

Ihr Pfarrer Lars Heinemann