„Ich glaube; hilf meinem Unglauben“

Jahreslosung 2020 – „Ich glaube; hilf meinem Unglauben“ (Mk 9,24)

Die Kirchen stellen auch das Jahr 2020 unter ein bestimmtes Bibelwort. Seit 1934 werden die Jahreslosungen von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen ausgewählt – initiiert hat es
der Pfarrer Otto Riethmüller (1889-1939), der den Parolen der Nationalsozialisten einen Bibelvers entgegenstellen wollte.

Weitere Informationen zur Jahreslosung finden Sie unter www.jahreslosung.eu. Wir möchten Ihnen auch die Worte von Pfarrer Maybach-Neserke sehr empfehlen, die er anlässlich der Jahreslosung 2020 für den Gemeindebrief verfasst hat.

 

Willkommen in den 20er Jahren!

Wie wird das neue Jahrzehnt?
Die letzten 20er Jahre waren geprägt von Aufbruchsstimmung nach dem Krieg, von Charleston, Minikleidern und aufkommender Emanzipation.

Die wilden 20er! Sie stehen auch für eine biographische Phase im Leben. In meinen 20er Jahren in Berlin fiel direkt vor meiner Haustür die Mauer und alles schien möglich zu sein, alle glaubten, dass mit dem Ende des kalten Krieges eine neue, bessere Zeit anbrechen würde. Nicht nur ich war voller Zuversicht. Ich hatte den festen Glauben, dass Gott es gut mit der Menschheit meint.

Zu Beginn der neuen 20er Jahre verspüre ich mehr und mehr Zweifel. Ist die Klimakatastrophe noch zu stoppen? Werden die Trumps, Erdogans und Orbans die Demokratie schädigen? Werden dann die Menschenrechte durch die Schwäche des Westens bald nach Saudischen oder Chinesischen Standards dekliniert?

Und wenn ich mich so denken höre, merke ich: ich werde wohl auch langsam alt. Ich glaube, hilf meinem Unglauben.

Auch heute, in dieser Welt, die in meiner Wahrnehmung aus den Fugen zu geraten droht, gehen junge Menschen auf die Straße und engagieren sich. Gegen den Klimawahnsinn, gegen Kohleverstromung, gegen AfD und Fremdenhass. Junge Menschen voll Glaube, Liebe, Hoffnung und Selbstvertrauen.

Junge Menschen am Anfang – oder kurz vor – ihren 20er Jahren.

Jeder hat seine eigenen 20er. Seine Zeit der Hoffnung und des Aufbruchs. Zu Beginn dieser neuen 20er Jahre sehe ich mehr Bedrohung als Aufbruch – aber ich bin ja eben auch keine 20 mehr.

Ich wünsche uns allen für das neue Jahrzehnt, die anpackende Zuversicht der eigenen 20er Jahre, dass wir bei allen Zweifeln weiter davon ausgehen, dass Gott es gut mit uns Menschen meint, und dass wir so zuversichtlich an seinem Frieden mitarbeiten. Herr, ich glaube; hilf meinem Unglauben.

Ihr Pfarrer Ingmar Maybach-Neserke