Die Baugeschichte der Lukaskirche (1912-1944)

Im Zuge der Südwest-Erweiterung der Stadt Frankfurt entstand 1903 mit dem neu erschlossenen, attraktiven Wohngebiet eine neue, wohlhabende Kirchengemeinde, die ihre Lukaskirche am 12. Oktober 1913 einweihen konnte(1) (Bild:(2) Grundsteinlegung 10. März 1912,(3) erster Spatenstich war Ende Oktober 1911). Der Entwurf im Jugendstil stammte vom Frankfurter Architekten Carl Friedrich Wilhelm Leonhardt (1881–1918). Da der Apostel Lukas sowohl als Schutzpatron der Maler gilt, als auch Arzt gewesen sein soll und das Frankfurter Uniklinikum im Gemeindegebiet liegt, paßte die Namenswahl trefflich. Die Walcker-Orgel war ausgerüstet mit 65 klingenden Registern und einem Fernwerk, das den Klang über die Holzdecke von der Ost- zur Westwand trug. Die damals größte Frankfurter Orgel übte auf Albert Schweitzer einen besonderen Reiz aus; er spielte dort öfter und gab im Sommer 1928 ein Konzert. Vier der fünf nach 1922 aus Spenden (wieder) beschafften Bronzeglocken wurden 1942 konfisziert und, wie bereits im Ersten Weltkrieg, zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Im Zweiten Weltkrieg, am 22. März 1944, wurde die Kirche von Brandbomben getroffen. Das Dach stürzte ein, der Innenraum brannte aus.

 


1 Letzter Satz der Festpredigt von Pfarrer Dr. Busch über Ex 20, 24: „So werde denn
unser Gotteshaus eine wahrhaft geweihte Stätte, an der Christus, in dem Gott seines
Namens Gedächtnis gestiftet hat, sich bezeugt, an der er zu uns kommt und uns segnet.“
(Chronik IV, 11. S.)
2 Porträts von drei der Anwesenden (kleine Zahlen im Bild): 1 Pfarrer Wilhelm
Busch, 2 Wilhelm Steinhausen (zweite Reihe, links außen, er blickt zu:) 3 Rose
Livingston (zweite Reihe, Mitte), vor ihr sitzt Mathilde Schmidt-Metzler (1840-
1932), Witwe des Gemeinde-Mitgründers Exzellenz Moritz, geb. Schmidt.
3 Pfarrer Dr. Wilhelm Busch predigte im Gemeindehaus über 1. Sam 7, 12, danach
zog die Festgemeinde zum geschmückten Bauplatz. Zu den Ehrengästen zählten „Regierungspräsident
von Meister, Polizeipräsident Riehs von Scheurenschloß, der Vorsitzende
der Synode Herr Geh. Justizrat Grabau und viele andere“ (Chronik IV, 2. S.)
Im Bildhintergrund: ein Vorgängerbau des heutigen Schillergymnasiums.


Die Außenfassade der Lukaskirche wurde aus Muschelkalk und Tuffsteinen mit Verputz hergestellt. Unter Leitung von Architekt Leonhardt waren zahlreiche Gewerke mit der Errichtung der Lukaskirche beauftragt. (4)  Die Kirche war für 970 Sitzplätze ausgelegt (Schiff: 665, davon 4 Bankreihen im Seitenschiff, Querempore 215, Orgelempore: 90). Die Raumaufteilung, die im Laufe der Baugeschichte verändert wurde, sah ursprünglich wie folgt aus: Ebenerdig befand sich im zentralen, nach Osten gelegenen Raum die Sakristei (2008: Löweraum), in der auch der Kirchenvorstand tagte. Der massive Taufstein stand, vom damaligen Kirchenraum aus nach Osten blickend, rechts vom Chorraum in einer Kapelle (2008: Materialraum neben der Küche), mit drei kleinen, bemalten Fenstern geschmückt, die sowohl vom Kirchenraum, als auch von der Sakristei aus genutzt werden konnte.(5) 

Über Sakristei und Tresorraum befand sich (s. Skizze) die Orgelempore (1953: Werktagskapelle, 1980: Altarraum), die vom Kirchenraum durch ein Holzgitter abgetrennt war. Die Orgel (4.038 Pfeifen in 65 Registern, 3 Manuale, ein Pedal, Koppeln und Crescendowalze) besaß ein voll ausgebautes Fernwerk mit sechs Registern, untergebracht auf dem Dachboden über der Orgel, das den Klang über einen Schallkanal (3m x 3,15m) zur Westempore trug, der mit Hilfe von Jalousieschwellern moduliert werden konnte. Die Orgel war elektro-pneumatisch organisiert (zum Vergleich 1999: rein mechanisch), die Luftzufuhr der Pfeifen wurde durch Elektromagnete geregelt, die durch elektrische Impulse per Tastatur initiiert wurden. Die ursprünglich veranschlagten Kosten verdreifachten sich, womit die Lukasgemeinde sich aus Eigenmitteln die damals größte Orgel der Stadt leistete.


4 Baufirma: Gebr. Heunisch; Orgelbaufirma: E. und F. Walcker, Ludwigsburg; Glocken:
Rincker, Sinn; Turmuhr: Kafhage und Söhne, Buer; Betonarbeiten: Flauaus
und Stössel; Steinmetzarbeiten, Holzdecke und Chorabschluß: Philipp Holzmann;
Zimmerarbeiten: Raab und Heil; Kupfer- und Spenglerarbeiten: G. Knodt; Blitzableiter,
Turmkreuz und Dachdeckerarbeiten: Leonhard Fechter; Gestühl: Chr. Harth,
Gebr. Thonet und G. Mögle; Heizung: E. Angrick; Fenster: Chr. Hahne; Beleuchtung:
August Schäfer; Malerarbeiten: D. Schilling; Entwürfe für Bildhauerarbeiten: Ohly
und Karl Stock; Cruzifix und Altarleuchter: Karl Stock; Abendmahl- und Taufgeräte:
Posen Witwe; Altardecke: Posamentenstickerei der Diakonissenanstalt (Entwurf: Maler
Hembus, Cronberg); Schwachstromanlage: August Zander; Rundverglasungen:
Wittkum & Co; Marmorarbeiten: Ludwig Porzelt; Opferstöcke: W. Holdefeil; Steinbildhauereien:
Peter Bauer und Georg Eck; Kunstschlosserarbeiten: F. Breckenmacher
und Fritz Bruch; Glasfenster: O. Linnemann; Schreinerarbeiten: H. und D. Schade,
H. N. Hofmann, H. Schüttler; Tresortür: Valentin Hammerau; Tapezierarbeiten:
Joh. Buchberger; Türen: Adolf Ettling; Beschläge: Anton Hartmann; Linoleum:
Schwinn & Starck; Öfen/Sakristei: J. F. Hausleiter; Plattenbelag: Weidner & Schmidt;
Rabhizarbeiten: Jos. Schmidt & Sohn (Liste lt. Chronik V, 3. S. und 9. S. f.).

5 Chronik V, 2. und 3. S.


Acht Kronleuchter mit elf Leuchtkörpern hingen von der Decke herab; sie wurden 1919, da sie die Sicht auf die Wandgemälde verdeckten, durch weniger Raum Füllende ersetzt. Der 41m hohe Turm wird von einem Kreuz gekrönt.(6) An den Ecken der Balkonetage stehen die Evangelisten, Arbeiten von Georg Eck und Peter Bauer: Matthäus nach Nordost hin (s. Bild, rechts), Markus nach Südost (s. Bild, links), Lukas nach Südwest und Johannes (mit Kelch) nach Nordwest, geordnet „vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang“ (Kanon EG 456) in der Abfolge der biblischen Bücher. Im Turm steht das mechanische Uhrwerk der Erbauerzeit still. Darüber der Glockenstuhl: Die erste Glockengarnitur, vier Glocken, war gestimmt in h, d, e, fis. Drei der Glocken wurden im Ersten Weltkrieg konfisziert. Der Gemeinde verblieb die fis-Glocke, die 1922 durch neue Glocken ergänzt wurde und, angepasst an die Geläute des Doms und der Nachbarkirchen, in h, d, fis, a erklangen,  (7) was die Sehnsucht des sog. Verlorenen Sohnes (Lk 15, 17-19) erinnern soll (die dritte Garnitur 1953 klingt in c, d, f, g, a).


Die Portal-Allegorien von Georg Eck (Außentüren/ Nordseite) symbolisieren Glaube (mit Bibel und Palmzweig) und Liebe (mit Segenshand und Kreuz). Die Hoffnung fehlt am Westportal, dort schmücken vier Jugenstilreliefs.


6 Pfarrer Gerhard Keller wünschte sich zu seiner Amtseinführung 1976 die Beleuchtung des Kreuzes, dem Wunsch wurde entsprochen.

7 Umschrift der größten Glocke: „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde.“ (Joh. 15, 13), h, 2700 kg, den Gefallenen des Ersten Weltkrieges gewidmet; Umschrift zweitgrößte Glocke: Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben.“ (Hebr 13,7), d, 1550 kg, gewidmet Pfarrer Wilhelm Busch; kleinste Glocke, a, 450kg (vom Konfirmandenjahrgang 1922 gestiftet).


Die Symbole auf den Außentüren folgen der Zuordnung, die der Kirchenvater Hieronymus (4. Jhd.) in seinem Vorwort zum Matthäus-Kommentar in Auslegung der geflügelten Wesen aus Hes 1, 4-10 vornimmt:


„Die erste Gestalt, die eines Menschen, deutet hin auf Matthäus, der wie über einen Menschen zu schreiben beginnt: ‚Buch der Abstammung Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abraham‘,

die zweite (Gestalt deutet hin auf) Markus, bei dem die Stimme eines brüllenden Löwen in der Wüste hörbar wird: ‚Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, macht eben seine Pfade‘;


die dritte (Gestalt) eines Kalbs (deutet hin auf jene), die der Evangelist Lukas vom Priester Zacharias zu Beginn verwenden lässt;


die vierte (Gestalt deutet hin auf) den Evangelisten Johannes, der, weil er Schwingen eines Adlers erhält und so zu Höherem eilen kann, das Wort Gottes erörtert.“

Der Taufstein stand in der Taufkapelle. Ein Holzring darinnen trug die Taufschale, die wir noch immer verwenden.

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